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Wallis Bird1. Single: "Encore"

2. Single: "Heartbeating City" (VÖ 01.06.2012)

Album: "Wallis Bird"

Wallis Bird mag man leicht übersehen, aber kaum eine andere irische Künstlerin versteht es so gut, sich mit ähnlich viel Nachdruck Gehör zu verschaffen. Die gerade mal 1,60 m große Sängerin, Gitarristin und Songwriterin ist fürwahr ein unvergleichliches Temperamentsbündel, „eine der energetischsten Performer dieser Tage", so der britische Daily Express, und für die französische Le Monde „die Entdeckung" nach ihrem Auftritt beim hochkarätig besetzten Festival Rock en Seine. Wallis verfügt über eine enorm ausdrucksvolle Stimme, deren Spektrum von zartem Flüstern bis hin zum explosiven Schreien reicht. Ihr extraordinäres Gitarrenspiel ist mal feinstes Handwerk, mal vulkanische Naturgewalt. Wallis Bird ist ein wahrer Derwisch an der Gitarre - mit der linkshändig seitenverkehrt gespielten Rechtshändergitarre hat sie zudem ihren ganz eigenen Stil entwickelt - expect anything from humming bird to strumming bird. Für ihr drittes Album - schlicht „Wallis Bird" genannt - hat sich die 29-jährige Singer/Songwriterin, die 2010 den Meteor Award, Irlands Pendant zum Echo, als beste irische Künstlerin gewann, viel Zeit gelassen und weite Wege zurückgelegt.

Sie ist in die Abgeschiedenheit an der wilden Steilküste im irischen Connemara in Klausur gegangen, hat wochenlang in ihrem Zimmer in Brixton an den Basisaufnahmen ihrer Songs gearbeitet, die erst bei den endgültigen Aufnahmen an verschiedenen Orten in Berlin ihre jetzige Form annahmen. Auch die Atmosphäre der Räumlichkeiten, darunter das ehemalige DDR-Funkhaus an der Nalepastraße und eine mit Pflanzen ausgestattete Lagerhalle, sollte sich auf die Songs übertragen. Angefangen hat aber alles in der Natur. An der rauen Atlantikküste Irlands hat sich Wallis für zehn Tage in ein einsames Landhaus zurückgezogen. Während draußen ein Blizzard tobte, ließ sie all den Lärm der Großstadt, dem sie bewusst entfliehen wollte, hinter sich und suchte in der Isolation die Inspiration. „Ich musste für mein neues Album einfach einmal meinen Kopf leeren, mich von meinen bisherigen Texten freimachen und auch von meinem bisherigen Sound. Diesmal habe ich gesellschaftliche Unterschiede, soziale Ungerechtigkeit im Blick gehabt. Es spiegelt stärker meine Gefühle bezüglich der Welt wider, in der ich lebe." Wallis Bird hat also in sich hinein gehorcht. Ihre Innenwelt in Bezug zur Außenwelt gestellt. Tatsächlich ist „Wallis Bird" in vielerlei Hinsicht ein polarisierendes Album gelungen, experimentierfreudig wie komplex in seiner Architektur, voller Songs, die in Stil und Tempo changieren wie Ebbe und Flut.

Mit ihrem neuen Album trägt Wallis Bird der Tatsache Rechnung, dass sich die Welt um uns herum mit dramatischer Geschwindigkeit verändert. Wir leben in Zeiten drastischer Enthüllungen. Von WikiLeaks und den Missbrauchsskandalen, von der Abhöraffäre der News of the World bis hin zur weltweiten Finanzkrise und der daraus resultierenden Occupy-Wall-Street-Bewegung, von neu besetzten Geschlechterrollen bis zur globalen Erwärmung, den Weltläufen will auch Wallis Bird ihren Tribut zollen, ohne großartig mit dem Finger auf bestimmte Politiker, Parteien oder Institute zu zeigen. Lieber entwirft sie poetische Songtexte voller Doppeldeutigkeiten, alltagsphilosophischer Anspielungen und metaphorischer Fallstricke. Auch die Begegnungen und Gespräche mit anderen Menschen, seien es Alkoholiker oder Priester, Obdachlose oder Drogenabhängige, sind in den Entstehungsprozess des neuen Albums eingeflossen.

Der Opener „Dressed My Skin And Become What I'm Supposed To", der mit der markant-provokanten Textzeile „You don't know shit, ain't it better not to know it" beginnt, spürt den Lebenslügen nach, mit denen sich viele Menschen einrichten. Das prächtig perkussive „I Am So Tired Of That Line" symbolisiert hingegen den Puls der Zeit, den Wunsch nach Veränderung, das Aufbegehren gegen Missstände. Die innere Wut bricht vor allem in „Who's Listening Now" aus ihr heraus, einem der vehementesten Songs des neuen Albums. Nichtsdestotrotz wirken die neuen Songs wesentlich subtiler als die vor Kraft und Melodie überbordenden Songs auf „New Boots". Bei den neuen Songs meint man förmlich die unterschwellige Kraft zu spüren, die innere Spannung, mit der Bird nach neuen musikalischen Ausdrucksweisen gesucht hat.

Immer wieder entzieht sich Wallis Bird geschickt klassischen Songmustern. Häufig wechseln innerhalb eines Songs Temperatur, Tempo und Takt. „Wallis Bird" ist zweifellos eine künstlerische Neuverortung. Abenteuerlich klingt das elektronisch aufgeputschte „Encore", dessen fiebernde Rhythmen an die Talking Heads der Siebziger erinnern. Das verspricht auch live ein absolutes Highlight zu werden. Mit dem Gespür für gute Dramaturgie baut sich auch „Take Me Home" auf, einer dieser typischen Songs, dem sich Wallis Bird mit all ihrer Leidenschaft und Impulsivität geradezu hingibt. „Heartbeating City", eine Hommage an ihre Wahlheimat London, steht musikalisch hingegen in einer Reihe koketter Songs mit verspieltem Swing wie „Country Bumpkin" auf ihrem Debüt und „Berlin" von „New Boots". Auch die kontemplativen Stücke haben es in sich. Das harmonietrunkene „In Dictum" schildert den Kampf mit den Dämonen des Selbstzweifels und ist eine Demonstration jenes schwelgerischen Folks, mit dem auch Bands wie Mumford & Sons dieses Genre modernisiert haben. Nicht minder schön ist „Ghosts Of Memories", eine akribische Ballade mit wunderschönem Refrain. „But I‘m Still Here, I'm Still Here" ist eine sich tief unter die Haut bohrende Überlebenshymne, „Feathered Pocket" ein hochemotionaler Nervenkitzel einer Liebeserklärung. „Wallis Bird" ist das persönlichste und wohl auch ernsthafteste Album der Singer-Songwriterin. „Jede einzelne Note, jede Textzeile hat einen Bezug zu meinem Leben. Jeder Moment ist mit Bedacht gewählt. Selbst die Fehler sind beabsichtigt", gesteht sie mit feinem Lächeln.

Wie viel Liebe und Akribie Wallis Bird in ihr neues Album hineingesteckt hat, ermisst sich auch in der handgefertigten Akustikversion des Albums, trefflich „The Mistakes Are Intentional" benannt, das bereits im November in einer auf 1000 Exemplare limitierten Auflage online angeboten wurde und binnen weniger Tage ausverkauft war. Nicht nur das handgefaltete Booklet auch die aus Stoffen genähten Hüllen entstanden im Kreis ihrer Familie und ihrer Freunde in liebevoller Handarbeit. Die Akustikversionen dieser Blaupause des eigentlichen Albums, allesamt zusammengeschmiedet in ihrem eigenen Zimmer, sind faszinierende Songskizzen, bei denen die Nebengeräusche häufig belassen wurden, was die ganz besondere Atmosphäre dieser Momentaufnahmen widerspiegelt. Damit nicht genug, ist zum neuen Album mittlerweile auch eine filmische Dokumentation entstanden, die Wallis Bird auf Streifzügen durch die Stadt und die Natur begleitet - und die Genese des Albums mit anderen Mitteln transportiert. Dass Wallis bei den Aufnahmen von einem Wolf ins Gesicht gebissen wurde, gehört zu den kathartischen Momenten in der Vita dieser lebenserfahrenen jungen Frau, der als kleines Kind nach einem Unfall die Finger der linken Hand abgetrennt worden, doch bis auf einen alle wieder angenäht werden konnten. Es grenzt schon an ein Wunder, dass aus diesem traumatischen Erlebnis eine traumhafte gute Gitarristin hervorgegangen ist.

Was man auf keinen Fall außer Acht lassen darf, ist das organisch gewachsene Bandgefüge. Da ist in erster Linie das Brüderpaar Christian und Michael Vinne, die von Anbeginn an als Schlagzeuger und Bassist ein eingespieltes Rhythmusgespann bildeten. Mit den beiden ist sie musikalisch gereift, eine tiefgreifende irisch-deutsche Freundschaft hat sich da entwickelt. Mittlerweile spricht auch Wallis selbst ein ganz charmantes Deutsch. Eine weitere Dimension - speziell bei den Live-Auftritten - kommt durch die irische Sopranistin Aoife O'Sullivan hinzu. Und der Multiinstrumentalist Aidan, ein in Belgien lebender Ire, hat der Band bei den letzten Tourneen erlaubt, noch mehr Vielschichtigkeit zu entwickeln. Last but not least darf man auch Marcus Wüst nicht vergessen, der gemeinsam mit Wallis ihre Alben produziert und arrangiert und der für die offenherzige Künstlerin ebenso zu ihrem festen Freundeskreis und kreativen Umfeld gehört wie das in Berlin und London ansässige Management.

Die irische Sängerin und Gitarristin, die mit ihren ersten beiden Alben „Spoons" und „New Boots" zu einer der wichtigsten und beliebtesten Musikerinnen Irlands avanciert ist, kann schon einige Erfolge aufweisen. Ihre erste EP „Branches Untangle", die sie in Eigenregie veröffentlicht hatte, verkaufte sich im Jahr 2006 allein in Deutschland sage und schreibe 5000 Mal und im selben Jahr war sie die erste Künstlerin ohne Plattenvertrag, die beim SWR3 New-Pop-Festival in Baden-Baden auftrat. Die Single „Blossoms In The Street" hielt sich hierzulande 20 Wochen in den Airplay-Charts. Das ein Jahr später folgende Debütalbum „Spoons" reüssierte in Großbritannien auf Platz fünf der digitalen Album-Charts. Ein weiterer Coup, der ihre Popularität steigerte, war ihre Version des Depeche-Mode-Klassikers „Just Can't Get Enough" für eine groß angelegte Werbekampagne einer englischen Tageszeitung im Jahr 2008. Ein Jahr später wurde Wallis Bird mit dem Meteor Award als größte irische Hoffnung ausgezeichnet und konsolidierte in der Folge ihren
Erfolg mit dem großartigen Album „New Boots", auf dem sie ihren stilistischen Facettenreichtum ebenso demonstrierte wie ihre unglaubliche Dynamik. Bei ihren von der internationalen Presse stets mit Begeisterung aufgenommenen Konzerten übertrifft sie sich gleichwohl selbst.

Wallis Bird, die seit kurzem in East London inmitten einer Künstlerkommune lebt, hat über eine Länge von drei Studioalben ein wahrlich aufregendes Gesamtwerk geschaffen. Als Konzertkünstlerin zieht sie zunehmend immer größere Kreise und ist mittlerweile auf den renommiertesten Festivals in ganz Europa aufgetreten. In Großbritannien wird sie ebenso gefeiert wie hierzulande. Während sie nach Ländern wie Frankreich und Belgien im Herbst des Jahres 2011 auch in Italien neue Fans gewinnen konnte, steht für das Frühjahr 2012 ihre bis dato längste Deutschlandtournee auf dem Plan. Es steht außer Frage, dass Wallis Bird ihr Publikum einmal mehr im Sturm erobern wird. Kritiker betonen ein ums andere Mal, was für eine sensationelle Performerin sie ist. Man muss Wallis Bird einfach live erlebt haben, ihr Album „Wallis Bird" bildet in diesem Sinne das optimale Entree in das farbenfrohe künstlerische Kaleidoskop einer der vitalsten Künstlerinnen unserer Zeit.

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