Willy Fritsch - Schauspielerbiografie

Willy Fritsch – Schauspielerbiografie
Biography

SCHAUSPIELER-BIOGRAFIE

Ein Feuerwerk an Charme. WILLY FRITSCH.

Der Ufa-Schauspieler. Über eine große Filmkarriere in wechselhaften Zeiten.

Von Heike Goldbach

Diese Biografie ist wie eine Schatzkiste. Ein ungelüftetes Geheimnis. Ein nie beschrittener Pfad.

Es gibt Filme, deren Inhalte erst einen Sinn ergeben, wenn man sie zu Ende gesehen hat. Genauso ist es mit diesem Buch. Nach dem letzten Kapitel werden Sie sich fragen: warum kannte ich Willy Fritsch bisher eigentlich nicht? Und Sie werden staunen, wie viel Sie eigentlich von ihm kannten, ohne dass Sie es wussten.

Warum immer Heinz Rühmann, aber nie Willy Fritsch?

1917, vor 100 Jahren, wurde der legendäre Ufa-Filmkonzern gegründet. Bei einem Blick in die Filmgeschichtsbücher fallen in diesem Zusammenhang seit Jahrzehnten stets dieselben Namen: Marlene Dietrich, Heinz Rühmann, Hans Albers. Immer die gleichen Geschichten. »Der blaue Engel«. »Die Feuerzangenbowle«. »Die große Freiheit Nr. 7«. Oft auch: »Metropolis«. Ein toller Film! Aber in seiner Geschichte niemals kommerziell erfolgreich. Willy Fritsch dagegen umso mehr. Eine Zeitlang war er der bestbezahlte Schauspieler der Ufa. Sein Name auf dem Filmplakat garantierte 1930 schon wochenlang ein volles Haus, als Marlene Dietrich noch ihr berühmtes Casting absolvierte. 25 Jahre später war das übrigens immer noch so. Er war 40 Jahre lang ein Star.

Als ich vor zehn Jahren beim Zappen im Fernsehen zufällig auf den Filmklassiker »Die Drei von der Tankstelle« stieß, kannte ich dessen Hauptdarsteller Willy Fritsch nicht. Ich guckte wegen Heinz Rühmann zu. Über seinen attraktiven Kollegen recherchierte ich am kommenden Tag im Internet. Was, wie ich schnell herausfand, die Frauen der Charleston-Generation wohl ebenfalls getan hätten, wäre das Internet 1930 schon erfunden gewesen.

Bereits auf den ersten Blick war ich überrascht, dass ich den Schauspieler Willy Fritsch bewusst noch nie wahrgenommen hatte, denn es fanden sich reichlich Belege dafür, wie beliebt und berühmt er über Jahrzehnte und Landesgrenzen hinweg war. Immer wieder stand sein Name mit wichtigen Ereignissen der deutschen Filmgeschichte in Verbindung: der erste Tonfilm, der erste Farbfilm. Blockbuster. Namen ploppten auf: Max Reinhardt, Fritz Lang, Hardy Krüger, Hildegard Knef, Romy Schneider. Sein Sohn, Thomas Fritsch. Sogar Billy Wilder.

Gern hätte ich mehr über ihn gelesen, aber bis auf die halbherzige »Autobiografie« eines Ghostwriters von 1963 oder Filmbücher, in denen er auch mal eben so erwähnt wurde – meist im Zusammenhang mit Lilian Harvey, einer alten Filmpartnerin – gab es nichts. Immerhin viele seiner Schlager kennt man heute aus den Konzerten von Max Raabe.

Ich hatte mir immer eingebildet, bereits viel über die Epoche zu wissen. Aber plötzlich machte sich das Gefühl breit, auf etwas gestoßen zu sein, das irgendwie noch nicht vollständig erschlossen war. Neugierig begann ich intensiver zu recherchieren. Warum spielt Willy Fritsch im heutigen Rückblick auf die Filmgeschichte und im Gegensatz zu anderen Schauspielern keine Rolle mehr, obwohl er über Jahrzehnte die Titelseiten der Filmpresse beherrschte? Er war Mitglied der NSDAP. Hatte er sich etwas zuschulden kommen lassen, so dass man heute seinen Namen nicht mehr nennt?

Ratlos saß ich als Zuschauerin der »Ufa-Filmnächte« auf der Berliner Museumsinsel bei einer Vorführung und lauschte den einleitenden Worten des Präsentators über sämtliche Mitwirkende des Films. Nur über den Hauptdarsteller fiel kein Wort. Es war Willy Fritsch. Ich dachte: »Das gibt’s doch gar nicht! Woran liegt das?«

Als der Hollywood-Regisseur Quentin Tarantino auf der Berlinale 2009 im Zusammenhang mit seinem Film »Inglorious Basterds« und der darin enthaltenen Nutzung des von Fritsch gesungenen Titels »Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn« ein Loblied auf den Ufa-Film »Glückskinder« und seine Darsteller anstimmte, war dieser Film in Deutschland nicht erhältlich. Eilig wurde er erst ein paar Jahre später restauriert. Schließlich sollten auch deutsche Filmfans wissen, wovon der US-Filmemacher überhaupt gesprochen hatte. Ohnehin geht man im Ausland offenbar ehrfürchtiger mit dem Erbe des Schauspielers um. Als Protagonist der Blütezeit des deutschen Films in den 1920er und frühen 1930er Jahren steht Willy Fritsch im Ausland ganz weit vorn.

Wo steht er hierzulande?

»Meinen Sie, das interessiert heute noch jemanden?«, hat Thomas Fritsch mich skeptisch gefragt, als ich zwecks Recherche über seinen Vater Kontakt zu ihm aufnahm.

Ja, ich bin der Meinung, es sollte interessieren, denn die bisherige Berichterstattung wird ihm nicht gerecht. Es ärgert mich mittlerweile regelrecht, wie stiefmütterlich man mit Willy Fritsch umgeht, seine Filme mit den Namen von Nebendarstellern bewirbt und er von Filmhistorikern übersehen wird, wo doch sein Leben so viel hergibt, dass fast 500 Buchseiten zusammenkommen.

Es sind bereits 19 Biografien über Marlene Dietrich und 13 über Heinz Rühmann geschrieben worden. Deshalb ist es Zeit für ein erstes Buch über Willy Fritsch, denn er hat lange eines verdient! Es wird nie ein Bestseller werden, dazu ist es zu speziell. Aber wenn Sie beim Lesen dasselbe Aha-Erlebnis verspüren und verblüfft sind wie ich als ich erstmals von ihm hörte, habe ich mein Ziel erreicht. Es würde mich freuen!

Denn es gibt immer noch etwas zu entdecken: den Schauspieler Willy Fritsch.

 


Über das Buch:

Filmklassiker wie »Die Drei von der Tankstelle« mit Heinz Rühmann, »Spione« von Fritz Lang, »Ein blonder Traum« nach einem Drehbuch von Billy Wilder, »Wiener Blut« mit Hans Moser und Theo Lingen sowie Romy Schneiders Leinwanddebüt »Wenn der weiße Flieder wieder blüht« haben eines gemeinsam: Willy Fritsch hat stets die Hauptrolle gespielt. Genauso wie er als Interpret hinter musikalischen Evergreens steht wie »Ein Freund, ein guter Freund«, »Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn« oder »Ich tanze mit dir in den Himmel hinein«.

Zwischen 1923-1945 war er einer der größten Stars der Ufa. Ein Aushängeschild des Filmkonzerns, für dessen Auftreten bei einer Premiere im Vorfeld die Straßen rund um das Kino polizeilich gesperrt werden mussten, weil tausende Fans den Verkehr blockierten – europaweit. Sogar ein Schlager wurde 1931 ihm zu Ehren komponiert: »Ich bin in Willy Fritsch verliebt«. Er spielte im ersten deutschen Tonfilm und im ersten deutschen Farbfilm. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Willy Fritsch seine Karriere fortsetzen und lieh in der Adenauerrepublik den erfolgreichsten Heimatfilmen sein Gesicht, bis er sich 1964 nach fast 130 Filmen aus dem Geschäft zurückzog. Er hat über 40 Jahre Filmgeschichte mitgeschrieben.

Er liebte schnelle Autos, war ein Langschläfer und sowohl vor als auch hinter der Kamera mit einem subtilen Humor gesegnet. Sein Lächeln machte ihn einst berühmt.

Max Reinhardt bildete ihn aus, Max Schmeling war lebenslang sein engster Freund, Max Raabe singt heute seine Lieder.

Wer war eigentlich Willy Fritsch? Dieser Frage möchte das vorliegende Buch anlässlich des 100. Geburtstags der Ufa in 2017 nachgehen. Es ist die erste umfangreiche Biografie über den einst sehr bekannten Darsteller und Vater des Schauspielers Thomas Fritsch. Gleichzeitig bietet das Buch immer wieder kurze Einblicke in die deutsche Filmgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Illustriert mit mehr als 100 Fotos auf 472 Seiten.

ISBN:

978-3-7439-1290-8 (Paperback)
978-3-7439-1291-5 (Hardcover)
978-3-7439-1292-2 (e-Book)

Verlag: tredition GmbH, Hamburg 2017