Album: „Minus The Magic“ (Release 22.05.2026!)
Get Well Soon läutet mit der neuen Single „OK“ ein besonderes Jahr ein, denn 2026 feiert Mastermind Konstantin Gropper das 20-jährige Jubiläum seines Projekts. Der Song ist der erste Vorbote des kommenden Albums Minus The Magic, das sich thematisch intensiv mit der Mitte des Lebens auseinandersetzt. Inspiriert von Carl Jungs Text „The Stages Of Life“ widmet sich Gropper der Selbstreflexion und der Frage, wie man sich im „Nachmittag des Lebens“ neu erfindet. Musikalisch schlägt Get Well Soon dabei einen neuen, energetischen Weg ein: Erstmals in der Bandgeschichte wurde das gesamte Album live mit der kompletten Band eingespielt. Statt opulenter Filmorchester erwartet die Hörer ein reduzierter, druckvoller Rock Sound mit jugendlicher Dynamik und einer gewissen Punk-Attitüde.
Die Single „OK“ besticht als wilder Track, der angesichts einer „ganz neuen Dummheit“ in der Welt eine optimistische Haltung einnimmt. Gropper versucht darin, einen „State of Mind“ zu finden, um durch die aktuellen, oft düsteren Zeiten zu navigieren. Die zentrale Botschaft lautet, dass man trotz aller Absurdität die Hoffnung nicht verlieren darf und „OK“ als Zustand völlig ausreichend ist. Man muss nicht immer nach Perfektion streben; in einer komplizierten Welt ist „OK“ eben absolut okay. Nach großen Erfolgen als Filmkomponist für Produktionen wie „How to Sell Drugs Online (Fast)“ „Achtsam Morden“ und „Pauline“ kehrt Gropper hier mit neuer Kraft zu seinen Wurzeln im Gitarren-Rock zurück. Trotz der tiefgründigen Themen steht bei Minus The Magic der Spaß und die ehrliche Rockband-Energie im Vordergrund. „OK“ beweist, dass Get Well Soon auch ohne unnötigen „Fairy-Dust“ eine ungeheure Magie entfalten kann.
ALBUM-INFO:
Konstantin Groppers prägende Jahre standen im Schatten des Todes seines Helden Kurt Cobain im Jahr 1994. Bestimmt war es nicht leicht für ihn, sich von der klassischen musikalischen Philosophie seiner Eltern zu lösen, mit der er aufgewachsen war. Es war Neil Youngs Text aus dem Jahr 1979, den Cobain in seinem Abschiedsbrief zitierte: „It’s better to burn out than fade away“ (Es ist besser auszubrennen als zu verblassen). Eine Zeile, ein Mantra, das bis heute nachhallt und das Geheimnis großartiger Musik definiert. Gropper ist jetzt Mitte 40, sein Katalog als GET WELL SOON reicht mittlerweile zwei Jahrzehnte zurück. Alles Konzeptalben, immer ging es ihm um Inhalte, mal mehr, mal weniger ernst. Einmal bezeichnete er sich als „zutiefst missverstandenes Comedy-Projekt“. Und er hat immer noch einiges zu sagen: Seine Rückkehr nach vier Jahren bringt nicht nur viel neue Musik mit sich. MINUS THE MAGIC, das erste von zwei GET WELL SOON-Alben in diesem Jahr, kommt mit einem unerwarteten Geständnis: „Dieses Album handelt von der Mitte des Lebens“, erklärt Gropper. „Und es richtet sich an Menschen mittleren Alters.“
Zugegeben, es ist schon eine Weile her, dass Gropper mit seinem 2008 erschienenen Album „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ von der internationalen Presse als deutsches Wunderkind gefeiert wurde. Bereits im selben Jahr zeichnete sich eine Karriere in weiteren musikalischen Gefilden ab: Regisseure wie Wim Wenders oder Detlef Buck wollten seine Musik für ihre Filme. 2013 co-produzierte er das Album „Hinterland“ des Rappers Casper, das die deutschen Charts stürmte. Seine Kompositionen sind in zahlreichen internationalen Kino- und Fernsehproduktionen zu hören. In jüngerer Zeit ist er mit „How to Sell Drugs Online (Fast)“ und „Achtsam Morden“ auch in den Top 10 der Streaming-Charts vertreten, neben diversen anderen Filmmusiken für Netflix, Disney+ und Co und weitere sind in Arbeit. „Ich habe mich immer selbst damit herausgefordert, mich nicht zu wiederholen“, bekräftigt Gropper. Manchmal macht er jedoch eine Ausnahme: Seit seinem Zweitwerk „Vexations“ aus dem Jahr 2010 haben es alle seiner Alben in die deutschen Top 20 geschafft.
2026 feiert GET WELL SOON 20-jähriges Jubiläum – auch das ein Anlass zur Reflexion. Wie viele Menschen in seinem Alter hat sich Gropper in der letzten Zeit mit den großen Fragen des Lebens auseinandergesetzt, ob er wollte oder nicht. „Ich würde das nicht als Krise bezeichnen“, betont er. „Es ist einfach so, dass die Lebensmitte tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen kann. Vielleicht denkt man weniger darüber nach, welchen Eindruck man machen möchte. Idealerweise findet man dabei zu sich selbst. Vielleicht nimmt man sich auch weniger ernst. Es gibt einen Text von Carl Jung, ‚The Stages Of Life‘, den ich inspirierend fand: ‚Wi r können den Nachmittag des Lebens nicht nach dem Programm des Morgens leben.‘ Ich möchte nicht zu philosophisch werden – das Ganze soll ja Spaß machen! – aber anstatt mich bei den ‚Kids‘ anzubiedern, dachte ich, ich stelle mich dieser Herausforderung: Flucht nach vorne! Das ist also Musik von Musikern mittleren Alters für Menschen mittleren Alters. Aber natürlich sind auch alle anderen herzlich willkommen.“
Das bedeutet jedoch nicht, dass Gropper hier nun Nabelschau betreibt. Auch hat er nicht an Kante verloren. Man sollte ja meinen, er verlässt sich auf MINUS THE MAGIC noch mehr auf seinen einnehmenden, reifen „Crooner-Stil“ und auf die opulenten Arrangements, für die GET WELL SOON bekannt sind. Aber durch seine ganz persönliche Bestandsaufnahme erlebt Gropper tatsächlich so etwas wie eine Wiedergeburt. MINUS THE MAGIC ist das erste Album, das er zusammen mit seiner kompletten Band aufgenommen hat. Es stellt schon mit den ersten Tönen ein ungeheures Gefühl jugendlicher Dynamik, von Schmutz und Entschlossenheit her. Inmitten eines Gitarrengewirrs versetzt „The 4-3 Days“ ihn und sein Publikum in einen vertrauten, mit Postern tapezierten Keller, wo alle „jedes Wort von Kurt“ kennen und „John, Claire, Allison, Andrew und Brian immer sechzehn bleiben werden“. Sie haben sich nur einmal getroffen, aber das hat ihr Leben für immer verändert.
„Diese Selbstreflexion in der Lebensmitte erfordert natürlich viel Rückschau”, erklärt Gropper, „und dieses Album – insbesondere dieser Song – stellt die Frage: ‚Wie bin ich eigentlich hierher gekommen?‘ Es beginnt mit dem Gefühl, der Situation und dem Sound, die mich dazu gebracht haben, Musiker werden zu wollen. Damals, als ich zum ersten Mal Nirvana hörte, Sonic Youth, Teenage Fanclub oder die weniger „angsty“ Protagonisten wie Pavement oder die Lemonheads… Das waren meine prägenden Jahre. Dabei geht es nicht ums Schwelgen in der Vergangenheit oder das Zurückwünschen in eine einfachere Zeit. Es geht um nicht weniger als die Frage: ‚Wie wurde ich zu dem, der ich bin?‘ Musikalisch ist ‚4:3 Days‘ allerdings schon pure Nostalgie. Ich hoffe, das ist okay für euch!“
Ja, ist es! Wie der Titel des wilden zweiten Tracks – „OK“ – angesichts „einer ganz neuen Dummheit“ („an all new stupid“), der wir heute leben, optimistisch bestätigt. „Staying Home“ im Buffalo-Tom-Vibe ist ähnlich beschwingt, wobei Gropper sich fragt, ob er sich nun auf alle möglichen neuen Abenteuer einlassen soll oder lieber auf ein Leben mit Versicherungsplänen. „It’s our foremost goal to lose control“ („Es ist unser oberstes Ziel, die Kontrolle zu verlieren“), fasst er zusammen. Im unverblümten „When They Cheer They’re Wrong“ entfesselt er eine nervöse, jugendliche Post-Punk-Wut – „When the pricks can’t hide their grin/ That’s when you know, man“ (Wenn die Arschlöcher ihr Grinsen nicht verbergen können, dann weißt du es), die sich gegen eindeutig zeitgenössische Ziele richtet. „Es brauchte etwas Punk-Attitüde“, betont Gropper. „Und es ist definitiv der schnellste Get Well Soon-Song aller Zeiten. Vielleicht habe ich den Geschmack an dem wütenden Songwriting meiner Jugend wiedergefunden. Aber leider ist es auch so, dass es n unserer heutigen Zeit so leicht ist, wütend zu werden!“ So bleibt er nie beim Blick zurück – die Gegenwart bietet wohl oder übel sehr viel Stoff.
Diese Leidenschaft ist auch am Ende des Albums noch vorhanden, wenn auch in einer reiferen Form. In dem nachdenklichen „That’s Not Me“ erinnert uns Gropper: „Reicht es nicht, dass wir die Liebe haben?“ Doch diese auf den ersten Blick zufriedenstellende Frage könnte auch eine dringliche Warnung sein: Was, wenn Liebe nicht genug ist? Es sind diese doppelbödigen, offenen Fragen, die Groppers Arbeit ausmachen, und sie ziehen sich in vielfältiger Form auch durch MINUS THE MAGIC.
„Herumsitzen und nichts tun ist wahrscheinlich das, was mir am schwersten fällt“, sagt er lachend. „Ich versuche mich gerade an Meditation. Aber das ist auch nur ein Trick, mich selbst dazu zu bringen, nichts zu tun, indem ich etwas tue.“ Stattdessen experimentiert er lieber zum ersten Mal mit Burroughs‘ Cut-up-Techniken im düsteren, aber seltsam hymnischen „There’s Waldo“, während „The Golden Toilet Heist“ einen echten Kunstraub aus dem Jahr 2019 thematisiert, den er als Bonnie-und-Clyde-Coup inszeniert. Später lehnt er sich – seinem Alter
entsprechend – in dem ruhigen, auf einer Wolke aus Gitarrenlärm schwebenden „Here’s Some Feedback“ dann doch mal zurück: „Halt die Klappe/ Der alte Mann/ versucht nachzudenken.“
Wenn Gropper darüber nachdenkt, was war, tut er es nicht wehmütig oder aus Eskapismus. Er sucht und findet neue Kraft. Vielleicht die Kraft, dem alten Spruch aus „MyGeneration“ zu widersprechen : „I hope I die before I get old“ („Ich hoffe, ich sterbe, bevor ich alt werde“). Auf MINUS THE MAGIC geht es sicherlich nicht um bloße Nostalgie. Die Themenwelten vergangener Dekaden dienen als Bild, schlagen Bögen ins Jetzt. In „The Pope Washed My Feet In Prison“ heißt es: „Noise has been my first/ So it will be my very last love“. „Es geht um das Jahr 1999”, erklärt Gropper. „Ich hatte einen Ferienjob, baute Kühlschränke am Fließband zusammen, um mir meine Traumgitarre kaufen zu können. Vor ein paar Jahren kaufte ich dann einen Kühlschrank desselben Herstellers und ein Freund meinte: ‚Früher hast du Kühlschränke gebaut, um dir eine Gitarre zu kaufen. Jetzt spielst du Gitarre, um dir einen Kühlschrank zu kaufen.‘” Circle of Life, könnte man sagen.
Ein paar Songs auf MINUS THE MAGIC wurden bereits 2014 auf der EP „The Lufthansa Heist“ veröffentlicht. Sie noch einmal neu aufzunehmen, war eine Entscheidung, die ein paar Dinge gerade rückt. „Als ich die Songs zum ersten Mal veröffentlichte, war ich einfach noch zu jung. In „The 4:3 Days“ gibt es die Zeile „He’s far too young to reminisce“ („Er ist viel zu jung, um in Erinnerungen zu schwelgen“). Nun ja, jetzt bin ich alt genug. Außerdem fehlte den Songs die richtige Energie.“ Deshalb spielten Get Well Soon zum ersten Mal als Band ein Album live ein. Gropper an Gitarre und Gesang wird dabei von Maximilian Schenkel an der Gitarre und Marcus Wüst am Keyboard begleitet, von Paul Kenny am Schlagzeug, Sebastian Brödner am Bass, sowie seiner Schwester Verena und Alex Mayr zusätzlich beim Gesang. Marcus Wüst hat das Album auch aufgenommen, koproduziert und abgemischt.
„Das soll ja ein Rockalbum sein“, grinst Gropper, „reduziert, ohne Effekte, ohne großes Filmorchester.“ Er hält einen Moment inne und fügt hinzu: „Weniger Magie!“ Also dachte er, „es braucht diese Live-Energie, um zu funktionieren“. Er hatte Recht! „Ich habe die Band ermutigt, die Songs frei zu interpretieren und allein schon ihnen dabei zuzuhören, hat die Songs immens verbessert. Außerdem hat es großen Spaß gemacht! Menschen, insbesondere Männer mittleren Alters, die eine Band gründen – oder wie in unserem Fall: sich in eine Rockband verwandeln – um sich dem Sound ihrer Jugend zu verschreiben… Das ist natürlich ein totales Klischee! Aber wir fanden das lustig. Es ist das perfekte Vehikel für diese Songs und dafür, sich mit seinem tatsächlichen biologischen Alter zu beschäftigen. Ohne Selbstironie sollte man das aber niemals tun!“
„Sein Leben zu bewerten, ist nicht einfach“, schließt Gropper, „aber es ist eine sehr gute Grundlage für das Schreiben. Das sind allerdings keine persönlichen Tagebucheinträge. Es geht hoffentlich schon um Fragen, die vielen bekannt vorkommen. Pop wird oft immer noch als etwas „nur für Jugendliche“ eingeordnet. Aber das ist ja einfach nicht wahr. Niemand bleibt jung und niemand hört ab einem gewissen Alter einfach auf, Pop zu hören. Somit hoffe ich, es fühlen sich ein paar Hörer von diesen Songs angesprochen. Der Titel MINUS THE MAGIC birgt eine gewisse Ironie. Denn ich würde dem widersprechen, dass mit fortschreitendem Alter die Magie verschwindet. Man muss sie nur an anderen Orten suchen und hoffentlich finden.“
Vielleicht bei GET WELL SOON? Nach zwanzig Jahren und sieben Alben liegt definitiv
Teen Spirit in der Luft.
(Scarlet Beast Records)


